Pressespiegel:

  • Bünde, 14. April 2011

Sprache ist Schlüssel der Integration

Talk mit Landtagsabgeordneten im Türkisch-Islamischen Kulturverein

Gespräche zur Integration: Eyüp Odabasi, Bünder Ratsmitglied der Grünen (r.) und Landtagsabgeordnete Angela Lück (SPD). FOTO: KLÜTER
VON THOMAS KLÜTER
Bünde. Der Andrang war groß im Kulturverein an der Amtshausstraße in Bünde. Über Integrationspolitik und interkulturelle Probleme im Gesundheitswesen informierten die Landtagsabgeordneten Angela Lück (SPD) und Arif Ünal (Bündnis 90/Die Grünen). Moderiert wurde das Gespräch von Eyüp Odabasi.

Er wusste, wovon er sprach, denn er ist ein Gegenbeispiel. Er ist türkischstämmig, studierter Wirtschaftsinformatiker und als Lokalpolitiker im Rat der Stadt Bünde tätig. „Das Bildungsniveau der Migranten ist besser als sein Ruf“, erklärte er, „nur bleiben die gut Ausgebildeten später einfach nicht in Deutschland“. Auflagen bei den Einstellungsverfahren machte er dafür verantwortlich, die dringend überarbeitet werden müssten. „Wir bilden in Deutschland für viel Geld aus“, so Odabasi weiter, „und dann verschenken wir dieses Wissen“.

Schon in den Grundschulen müsse angesetzt werden, sagte Angela Lück, die Gemeinschaftsschulen seien ein guter Anfang. Es behindere alle Kinder, wenn bereits nach der 4. Klasse auf die verschiedenen Schulformen aufgeteilt wird, findet die SPD-Landtagsabgeordnete, „damit werden Chancen verbaut“, sagte sie. Die Sprache sei ein entscheidender Punkt, so Arif Ünal. Natürlich müssten alle Kinder in Deutschland die deutsche Sprache lernen.

Es sei aber auch problematisch, wenn die eigene Muttersprache in der Schule keine Rolle spiele. Einerseits sei erwiesen, dass Fremdsprachen leichter gelernt werden, wenn Kinder gute Kenntnisse der eigenen Sprache haben, andererseits sei es wichtig, für die eigene Entwicklung und Identitätsfindung, sich mit Kultur und Sprache der Eltern auseinanderzusetzen. „Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund müssen erst begreifen, dass sie hier mehr werden können, als ihre Eltern“, sagt Eyüp Odabasi, „die Zeiten sind vorbei, in denen sie ausschließlich als Arbeiter eingesetzt wurden“. Die Lehrerausbildung sollte interkultureller gestaltet werden, um das zu unterstützen, findet er.

„Wir brauchen in den Kindergärten mehr Stellen“, so Lück, „und unsere Bildung muss alle Kinder fördern und fordern“. In NRW habe die derzeitige Regierung diesbezüglich schon einiges umgesetzt. Das Einschulungsalter wird nicht weiter gesenkt, das Abitur ist auch nach neun Jahren möglich, und die Studiengebühren wurden wieder abgeschafft. „Das sind Maßnahmen, von denen nicht nur Migranten Kinder profitieren“, resümiert Lück, „das sind Änderungen, die für alle Kinder und Jugendliche in Deutschland von Bedeutung sind“.

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Bünder Tageblatt, Donnerstag 14. April 2011