Pressespiegel:
Reiches Land - arme Patienten
Podiumsdiskussion im Kreishaus
Herford (kop). Wer heute chronisch krank ist, der leidet häufig nicht nur unter den Schmerzen. Viele Probleme, die das Gesundheitssystem mit sich bringt, verursachen zusätzliches Leid.»Die heutige Gesundheitspolitik ist der Tod einer jeden Schmerztherapie« war daher eine Podiumsdiskussion der Schmerzhilfe Herford/Bad Salzuflen um Bärbel Kerstingjohänner und Manfred Wessel überschrieben, zu der mehr als 100 Besucher ins Kreishaus kamen.
Kostenträger, Mediziner, Patientenvertreter und Politiker saßen an einem Tisch, um ihre Sicht der Dinge zu verdeutlichen. Dr. Achim Balzat, Schmerztherapeut aus Herdecke, wies auf das Problem »Zeit« hin. Ein Arzt habe in der Regel zu wenig Zeit für den Patienten. Es folge die Überweisung zu anderen Ärzten. Eine beginnende Chronifizierung könne übersehen werden. Brigitta Gibson (Deutsche Schmerzliga) bestätigte das: »Kranke Menschen werden einfach weitergereicht. Manchmal haben sie bis zu zehn Ärzte aufgesucht, bevor sie eine Diagnose haben.« Patienten würden dabei ein großes Stück an Lebensqualität verlieren, wenn ihnen über einen langen Zeitraum hinweg keine Hilfe gegeben werde.
Der Herforder Schmerztherapeut Dr. Dirk Buschmann erläuterte, »dass unserer Medizin heilungsorientiert ist. Da fallen chronisch Kranke durchs Raster.« Denn für die Stabilisierung von Beschwerden auf ein erträgliches Maß würden zu wenig Mittel bereitgestellt. Laut Brigitta Gibson gibt es 12 bis 15 Millionen Schmerzpatienten bundesweit.
Dr. Buschmann wies auch darauf hin, dass nicht jede Therapie kontinuierlich angewendet werden dürfe. Die Verantwortung für die Genehmigung der Therapien sieht Buschmann in der Politik. Und die versuche immer wieder, Missstände neu zu verteilen.
René Podehl (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, KV) schob den »Schwarzen Peter« ebenfalls in Richtung Politik. Zwar würde die KV das Geld an die Ärzte verteilen, wie viel Geld jedoch zum Verteilen da sei, das bestimme die Politik. Und in Sachen Medikamente (Rabattverträge, Generika) ging's in Richtung Krankenkassen. Die würden schließlich die Rabattverträge mit der Pharmaindustrie abschließen, da habe der Arzt beim Verschreiben keine Wahl, so Podehl. Gerhard Wiechers (AOK) räumte ein, dass auch bei den Krankenkassen gerechnet werden müsse. Um Geld ging es auch in den Statements der Politiker, Stephen Paul (FDP), Gudrun Schliebener (CDU) und Angela Lück (SPD). Die Politik habe bereits eine Menge getan, die Leistungen müssten aber auch dem Wirtschaftsgebot genügen.
Am Ende waren die Besucher nicht unbedingt zufrieden, mit dem, was sie gehört hatten: »Hier spielt doch nur einer dem anderen den Schwarzen Peter zu. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt mit der besten medizinischen Versorgung. Und für die chronisch Kranken ist nicht genügend da.«
Herforder Kreisblatt vom 17.11.2011






