Pressespiegel:
Der Schlossherr fordert Ruhe
Wittekindshof-Vorstand Starnitzke wehrt sich gegen öffentliche Einmischung bei Ulenburg-Verkauf

Löhne. Lange hat er sich nicht mehr zu Löhnes brisantestem Thema geäußert. Nichts mehr zum Verkauf der Ulenburg zu sagen, war die Strategie von Professor Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Stiftung Wittekindshof. Bis gestern. Da redete der Schlossherr Tacheles und schilderte seine Sicht der Dinge. „Das öffentliche Interesse an den Verhandlungen ist eine enorme Störung. So finden wir keine Lösung“, sagte er.
Starnitzke äußerte seine Kritik beim Besuch der Vizepräsidentin des Düsseldorfer Landtags, Carina Gödecke (SPD), die einer Einladung der heimischen Landtagsabgeordneten Angela Lück (SPD) gefolgt war. Die beiden Politikerinnen reisten zu denkmalgeschützten Gebäuden im Kreis. „Und die Ulenburg liegt mir natürlich besonders am Herzen“, so Lück.
Das Wasserschloss steht seit einigen Jahren leer. Besitzer ist die Diakonische Stiftung Wittekindshof, die das Gemäuer verkaufen will. Zugleich gibt es den Freundeskreis Schloss Ulenburg, der dafür eintritt, dass das Schlossgelände öffentlich nutzbar bleibt. „Aber wie soll man das verkaufen, wenn immer wieder von öffentlicher Nutzung die Rede ist?“, fragte Dierk Starnitzke. Carina Gödecke entgegnete: „Führen Sie doch Ihr Interesse und das der Öffentlichkeit zusammen.“ Es gehe nicht darum, dass die Löhner ständig ein- und ausgehen wollten: „Aber es sollte eben nicht am Ende ein Zutritt-Verboten-Schild an der Tür hängen.“
Bürgermeister Heinz-Dieter Held erklärte: „Der Wittekindshof kann nicht erwarten, dass die Löhner auf die Ulenburg verzichten. Die emotionale Bindung ist viel zu hoch.“ „Was heißt verzichten“, hielt Starnitzke dagegen. „Die Ulenburg gehört ja dem Wittekindshof.“ Dies müsse endlich akzeptiert werden.
Eine künftige öffentliche Zugänglichkeit dürfe nicht Grundvoraussetzung für einen Verkauf sein. „Wenn ein Investor das freiwillig macht, ist das schön. Aber man kann niemanden dazu zwingen“, so Starnitzke. Für den Wittekindshof sei wichtig, möglichst viel Geld aus dem Verkauf zu erzielen, denn „das stecken wir in unsere Arbeit“. Starnitzke wehrte sich gegen den Vorwurf, dass die Stiftung öffentliche Gelder bekomme. „Die bekommen wir ja nicht, um Park und Schloss zu pflegen, sondern um Menschen mit Behinderung zu versorgen.“
Carina Gödecke brachte die öffentliche Hand ins Spiel, fragte, ob eine Zusammenarbeit möglich sei. „Was glauben Sie, was wir seit Jahren versuchen“, sagte Dierk Starnitzke. Man habe immer wieder mit Land, Kreis und Stadt gesprochen. „Aber es stimmt einfach nicht, dass die öffentliche Hand Interesse hat. Es gab nie ein Angebot zu mieten oder zu kaufen, weil es an Geld fehlt.“ Angela Lück betonte, dass das Interesse der Löhner Energie in sich berge, die man nutzen könne. Heinz-Dieter Held sagte: „Öffnen Sie sich für die Bürger. Holen Sie Veranstaltungen in den Park, machen Sie das Schloss bekannter, dann finden Sie eine Lösung.“
Davon hielt der Schlossherr wenig: „Unsere Erfahrungen in den Verhandlungen belegen genau das Gegenteil. Man sollte uns mal in Ruhe arbeiten lassen.“ Eben diese Ruhe habe dazu geführt, dass man Schloss Benkhausen an die Gauselmann-Gruppe veräußern konnte.
ZWISCHENRUF
Ein Teil des Erbes Ulenburg
Fußballmanager werden den Wunsch von Dierk Starnitzke verstehen. Mancher Spielerverkauf ist daran gescheitert, dass die Verhandlungen zu früh bekannt wurden. Doch die Manager würden dem Schlossherrn wohl auch sagen, dass seine Hoffnung auf Verhandlungen in aller Ruhe bei einem derart öffentlichen Objekt vergebens sind. Mag das Interesse der Löhner noch so störend sein, es lässt sich nicht hinwegwünschen. Es ist Teil des Erbes Ulenburg, dass der Wittekindshof 1926 angetreten hat. martin.froehlich@ihr-kommentar.de
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12 - Löhne und Gohfeld, Freitag 08. Juli 2011







