Frau Lück, ich wünsche Ihnen kein Glück!

von Gaby Arndt

c/o Gaby Arndt

Besuch der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Herford

Kreis Herford. Nach der Landtagswahl 2017 wurde die Landtagsabgeordnete Angela Lück in den Beirat Westdeutscher Spielbanken als ordentliches Mitglied gewählt. Aufgabe des Beirates ist die sachverständige Beratung der WestSpiel NRW in Fragen der Suchtprävention, des Jugendschutzes sowie der Kriminalitätsbekämpfung als Begleitung bei der Umsetzung der ordnungspolitischen Zielsetzungen des Glücksspielstaatsvertrages.

Grund genug sich vor Ort ein Bild über Glücksspielabhängige und deren Problematik zu verschaffen. Die Fachstelle Sucht ist eine von drei Schwerpunktberatungsstellen, die durch das Land NRW und die Stiftung Zukunft im Wittekindskreis Herford gefördert werden. Ein Besuch Auf der Freiheit 25 in Herford schien der Abgeordneten als naheliegend, um kompetent auf das Thema vorbereitet zu sein.

So traf sie sich mit dem Team der Spielerberatung, Horst Brönstrup, Suchttherapeut, Sabine Scholz-Hörstmann, Angehörigenberatung sowie der Geschäftsführerin Barbara Geisler-Hadler und dem Vorstand Holger Kasfeld.

„Wie muss ich mir einen Glücksspielabhängigen vorstellen? Sitzt er in einer Spielothek an einem Automaten und verbringt dort seinen Tag?“, erkundigte sich Lück. „Ja, die überwiegende Mehrheit ist abhängig vom Automatenspiel (ca. 80 Prozent). Die größte Gruppe mit 51% der Spielsüchtigen sind allerdings unter 30 Jahre, berufstätig, männlich, gut situiert und teilweise beruflich erfolgreich. Der Leidensdruck wird erst größer, wenn der Job verloren ist, der erste Griff in die Kaffeekasse erfolgte oder die Schulden ohne Ende drücken“, erklärte Brönstrup.

 

Zunehmend kommen Sportwetten und Online-Glücksspielsüchtige in die Beratungsstelle. Es gibt aber auch neue Formen des Glücksspiels, bei denen Geld gewettet werden kann auf den Ausgang bei gegnerischen Computerspielmannschaften“, so Horst Brönstrup. Dieses „Beteiligt-sein am Spiel“ hat einen hohen Reiz, aber das gilt auch bei Live-Sportwetten: Der Wetteinsatz kann in diesem Bereich sehr flexibel eingesetzt werden, „sie können auf das nächste Tor, die nächste Ecke, natürlich auch wer gewinnt oder die nächste gelbe Karte relativ zeitnah, also sozusagen live, bieten.“ Prominente Sportidole werben mit dem Satz „Machen Sie ihr Sportwissen zu Geld“. Dabei wird vergessen, dass „Sportereignisse wenig vorhersehbar sind und immer das Außergewöhnliche passieren kann“, so Horst Brönstrup.

Spielotheken versuchen durch Annehmlichkeiten wie kostenlose Getränke und Snacks die Klienten an sich zu binden, um somit eine möglichst lange Verweildauer zu ermöglichen.

Auch Senioren werden mittlerweile durch neue seniorengerechte Automaten bzw. Spielmöglichkeiten gelockt. Hier liegt der Frauenanteil bei einigen Anbietern zwischen 30 und 40%. Es wird stark mit psychologischen Aspekten gearbeitet, wie z.B. ein Lady-Day oder eine Modenschau.

Um mögliche Suchtverläufe besser zu erkennen, ist die Schwerpunktberatungsstelle Herford am Projekt „Glüxxit“ beteiligt: eine landesweite präventive Maßnahme, um Lehrer und Lehrerinnen sowie Schülerinnen und Schüler von Berufsschulen für die unterschiedlichsten Gefährdungspotentiale von Glücksspielen zu sensibilisieren. Ziel ist es, möglichst viele Multiplikatoren zu schulen um über Glücksspiele und deren Reiz zu informieren und mögliche Suchtverläufe frühzeitig zu erkennen.

„Glücksspielsüchtige werden selten über Amtsgerichte vermittelt, daher muss der oder die Betroffene den Weg zu uns selber finden.“, bemerkte Sabine Scholz-Hörstmann. Viele Angehörige wenden sich mit der Bitte an sie, einen Termin mit dem Suchtkranken zu vereinbaren. „Das ist aus der Sicht des Angehörigen verständlich, aber keine Option für eine Beratung. Der Süchtige muss seine Sucht als solche erkennen und selbst tätig werden.“

Die Spielsucht wird zunehmend unkontrollierbar, Wetten können von zuhause vom Sofa aus gespielt werden. Kleine und manchmal auch größere Gewinne erhöhen das Belohnungsgefühl und lösen in der Psyche ein Wohlfühlgefühl aus, ähnlich wie bei der Alkoholsucht.

Viele Spielstätten befinden sich inzwischen auch an Autobahnen. LKW-Fahrer fahren insbesondere die Raststätten an, die ein Casino auf dem Autohof ausweisen. Fahrer können in ihrer Pflichtpause zocken, schlafen nur wenige Stunden und fahren völlig übermüdet los. „Das bereitet uns große Sorgen“, so die Pädagogen.

„Prävention muss viel früher anfangen“, so Frau Geisler-Hadler. Grundschulkindern sollten klaren Grenzen im Umgang mit dem Smartphone oder Tablett gesetzt werden. Die Nutzungskultur der Eltern stellt ein großes Vorbild für die Kinder dar.

„Eine große Hilfe wäre, wenn Ordnungsämter und Verwaltungen mehr darauf achten würden, an welchen Orten sich Spielhallen niederlassen und welche Altersgruppen sich dort tummeln“, so der Suchttherapeut. „Direkt gegenüber oder neben einer Schule kann nicht der geeignete Ort sein, um Jugendliche und Kinder zu schützen.“

 „Ich war noch nie in einer Spielhalle“, bemerkte Lück, „aber um mir ein Bild zu machen, werde ich mir in einer Spielhalle selbst einen Eindruck vermitteln.“ „Frau Lück, ich wünsche Ihnen dabei kein Glück!“ so Horst Brönstrup. „Denn das anfängliche Glück ist oft der Start in eine Karriere als Glücksspielsüchtiger.“

Zurück

Einen Kommentar schreiben