Barrierefreiheit im Fokus

von Katharina Brand-Parteck

Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Handicap erstmals in Bünde

Von Thomas Klüter

Bünde (WB). Seit 1992 protestieren europaweit Bürger immer im Mai gegen die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung. Auch im Kreis Herford findet stets ein Aktionstag statt, dieses Mal war Bünde erstmals Austragungsort. Zu Gast war mit Bundesbauministerin Barbara Hendricks auch Politprominenz aus Berlin.

Der Aktionstag am Samstag stand abermals unter der Schirmherrschaft der »Aktion Mensch«. Zahlreiche Vereine, Unternehmen und Institutionen beteiligten sich. »Ich finde es gut, dass aus dem früheren Protestmarsch ein Aktionstag geworden ist«, sagte Landrat Jürgen Müller: »Das zeigt, dass wir etwas bewegen und verändern wollen.«

Inklusive Politikgruppe stellt Fragen

Auf der Bühne am Tönnies-Wellensiek-Platz stellten sich Müller und Bürgermeister Wolfgang Koch zunächst den Fragen der »Inklusiven Politikgruppe«, die den Tag mit organisiert hatte. Diese wollten unter anderem wissen: »Was kann man dagegen tun, das Menschen ohne Handicap Menschen mit Behinderung nicht tolerieren?« Vor allem die Unsicherheit gegenüber Menschen die anders sind, sei dafür verantwortlich, sagte Koch. »Viele Leute wissen nicht, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen.« Genau das sollte der Aktionstag ändern.

Aktionstag für Menschen mit Behinderung in Bünde

An verschiedenen Stellen in der City stellten sich Organisationen vor, die in diesem Bereich aktiv sind. Stationen zum Ausprobieren und Mitmachen zeigten den Besuchern, welche Hindernisse Menschen mit Behinderung im Alltag bewältigen müssen. »Kopfsteinpflaster ist zum Beispiel ein echtes Problem für Rollstuhlfahrer«, sagte Reiner Ebmeier von der »Inklusiven Politikgruppe«, das sei aber vielen Menschen nicht bewusst. Schwierig sei auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. »Vor allem in den Randgebieten der Stadt sind die Haltestellen oft nicht barrierefrei.«

Ministerin diskutiert mit

Die Gründe dafür wollte die Gruppe auch vom Bürgermeister und vom Landrat erfahren. Es sei erst einmal schön, dass es hier überhaupt einen öffentlichen Nahverkehr gebe, sagte Koch. »In Bezug auf die Barrierefreiheit ist der aber in der Tat noch verbesserungswürdig«, so der Bürgermeister. Die Fahrzeuge seien bereits alle so ausgestattet, dass Menschen mit Handicap einsteigen können, fügte Müller hinzu. »Und bis 2022 werden auch alle Haltestellen barrierefrei sein.«

In die Diskussion schaltete sich schließlich auch Bundesbauministerin Barbara Hendricks ein, als die »Inklusive Politikgruppe« nach genügend barrierefreiem Wohnraum fragte, der über die Grundsicherung finanzierbar ist. »Das Wohngeld wurde im vergangenen Jahr erhöht«, sagte Hendricks. »Prüfen Sie noch mal, ob Sie Anspruch darauf haben«, motivierte die Bauministerin die Zuhörer. Für die Zukunft hält Hendricks es für nötig, das Wohngeld regelmäßig anzupassen: »Alle ein oder zwei Jahre wäre sinnvoll.« Nach der Diskussion schlenderte die Ministerin zusammen mit der SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück durch die City und kam mit Passanten ins Gespräch.

 

Quelle: Westfalen-Blatt Bünde, 08.05.17

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